ARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Kritik an einseitiger Gästeliste
Christina SorgatzARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Kritik an einseitiger Gästeliste
Öffentlich-rechtliche Sender ARD und ZDF in der Kritik: Wirtschaftsthemen in Talkshows stark reduziert
Eine aktuelle Analyse von 284 Folgen aus dem Jahr 2025 zeigt, dass nur noch 20 Prozent der Sendungen wirtschaftspolitische Themen behandelten – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 33 Prozent im Jahr 2023. Kritiker werfen den Sendern vor, inmitten der längsten Wirtschaftskrise Deutschlands seit Jahrzehnten die Stimmen aus der Wirtschaft zu vernachlässigen.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat den Rückgang wirtschaftsbezogener Diskussionen in den wichtigsten Talkformaten hervorgehoben. Laut ihrer Studie enthielten 32 Prozent der Folgen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt überhaupt keine Vertreter aus der Wirtschaft. Die Gästelisten wurden stattdessen dominiert von Politikern (41 Prozent), Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent), während Unternehmer lediglich fünf Prozent ausmachten.
Besonders die Sendung "Maischberger" geriet in die Kritik: In 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen kamen keine Vertreter aus der Wirtschaft zu Wort. Demgegenüber widmete "hart aber fair" 39 Prozent seiner Sendungen wirtschaftlichen Themen und bezog dabei durchgehend Führungskräfte aus der Wirtschaft ein.
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben warf ARD und ZDF vor, ihrem öffentlichen Auftrag nicht gerecht zu werden. Eine ausgewogene Berichterstattung erfordere nicht nur die Perspektive von Politikern und Kommentatoren, sondern auch die von Praktikern, betonte er. Alsleben forderte eine stärkere Einbindung von Wirtschaftsvertretern, um die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes besser abzubilden.
Die Ergebnisse deuten auf eine Verschiebung der inhaltlichen Schwerpunkte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hin. Durch die geringere Präsenz von Wirtschaftsvertretern fehlt es den Diskussionen zunehmend an direkter Branchenexpertise. Die INSM drängt die Sender dazu, ihre Gästelisten anzupassen, um ein breiteres Spektrum wirtschaftlicher Standpunkte widerzuspiegeln.






