CDU bricht Tabu: Erstes Bündnis mit der AfD spaltet die Partei
Deutschlands langjährige politische "Brandmauer" gegen die rechtspopulistische AfD zeigt erste Risse. Bei einer jüngsten Kommunalwahl in Biebesheim (Hessen) brachen CDU-Vertreter mit der Parteilinie und gingen ein Bündnis mit der AfD ein, um dieser einen Sitz im Gemeindevorstand zu sichern. Der Schritt löste innerparteiliche Empörung aus und führte zu Ausschlussverfahren gegen die beteiligten CDU-Mitglieder.
Der Streit begann, als die Biebesheimer CDU mit der AfD zusammenarbeitete – ein klarer Bruch mit der bundesweiten Haltung der Union. Diese seltene Kooperation löste sofort scharfe Kritik bei den gemäßigteren Kräften der Partei aus, die seit Langem jede Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen. Als Reaktion leitete die CDU Parteiausschlussverfahren gegen die Verantwortlichen ein.
Die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach verurteilte die disziplinarischen Maßnahmen und warf dem Ortsverband vor, Demokratie scheinbar als "Fremdwort" zu betrachten. Gleichzeitig warnte der AfD-Politiker Richard Graupner, dass weitere Ausschlüsse die CDU bald stärker über ihre ausgestoßenen als über ihre aktiven Mitglieder definieren könnten.
Die einstige Blockadepolitik, die die AfD isolieren sollte, steht zunehmend in der Kritik. CDU-Politiker in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg stellen ihre Wirksamkeit offen infrage. Umfragen zeigen zudem, dass die Mehrheit der Wähler etablierter Parteien die Strategie nicht mehr unterstützt.
Der AfD-Abgeordnete Ruben Rupp behauptet, der wachsende Zuspruch für seine Partei zwinge zu einer Neuausrichtung der politischen Kräfteverhältnisse. Mit steigenden Umfragewerten wird die AfD für andere Parteien immer schwerer zu ignorieren – eine weitere Belastungsprobe für die Haltbarkeit der "Brandmauer".
Die Abstimmung in Biebesheim hat tiefe Gräben innerhalb der CDU über den Umgang mit dem Einfluss der AfD offenbart. Ausschlussverfahren und öffentliche Kritik verdeutlichen die Spannungen, denen Deutschlands politische Traditionen ausgesetzt sind. Angesichts des wachsenden Zuspruchs für die AfD dürfte der Druck, die Blockadehaltung aufzugeben, weiter zunehmen.






