"Die Parabel der Säure": Ein radikal ehrliches Bühnenexperiment über Körperbilder und Scham
Stefan Trubin"Die Parabel der Säure": Ein radikal ehrliches Bühnenexperiment über Körperbilder und Scham
„Die Parabel der Säure“ – ein provokantes Bühnenwerk über Körperbilder und Identität
Bei den Wiener Festwochen in Wien feierte kürzlich die mutige Neuinszenierung Die Parabel der Säure Premiere. Unter der Regie von und mit Rébecca Chaillon in der Hauptrolle zeigt die fast dreistündige Aufführung sieben Schauspieler:innen, die sich auf der Bühne entkleiden und mit Butter interagieren. Das Stück setzt sich mit Themen wie Körperwahrnehmung, Identität und gesellschaftlicher Stigmatisierung auseinander.
Der Titel spielt mit einem französischen Wortspiel, das „Parabel“ mit „Satellitenschüssel“ verbindet. Inspiriert ist die Inszenierung unter anderem von Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann sowie den realen Lebensgeschichten eines Popstars und einer Astrophysikerin aus derselben benachteiligten Banlieue, in der auch Chaillon aufgewachsen ist. Die Regisseurin, die sich selbst als schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe aus Frankreich beschreibt, nutzt das Stück, um das Leben und die Kämpfe von dicken Menschen zu erkunden.
Auf der Bühne werden Szenen aus der Abnehm-Show The Biggest Loser nachgestellt, daneben kommen groteske Handlungen zur Aufführung – die Waage dient dabei als zentrales Requisit. Immer wieder entschuldigen sich die Darsteller:innen für ihre Körper und bekennen vergangene Verhaltensweisen. Die Schauspielerin Julie Teuf reicht dem Publikum Butter, lädt es zum Kosten ein und verlost sogar kleine Preise.
Das Stück verbindet provokante Bilder mit persönlichen Erzählungen und stellt durch seinen schonungslosen, rohen Stil gängige Vorstellungen von Körper und Identität infrage. Die Zuschauer:innen bleiben noch lange nach dem Ende der Vorstellung mit den aufgeworfenen Fragen zurück.






