Glasfaser-Revolution: Warum offener Netzzugang die Branche aufmischt
Christina SorgatzGlasfaser-Revolution: Warum offener Netzzugang die Branche aufmischt
Offensive für offenen Netzzugang: Deutschlands Glasfaserbranche im Umbruch
In der deutschen Glasfaserbranche gewinnt die Forderung nach offenem Netzzugang zunehmend an Fahrt. Mit fast 300 Netzbetreibern, die bundesweit ihre Infrastruktur ausbauen, werden die Rufe nach geteilter Nutzung und freier Anbieterwahl immer lauter. Branchenführer betonen, dass Flexibilität und Standardisierung die Zukunft des Hochgeschwindigkeitsinternets prägen werden.
Ein wichtiger Schritt kommt von Deutsche GigaNetz, das sich mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect zusammengeschlossen hat, um offenen Netzzugang voranzutreiben. Gleichzeitig wird Plusnet in Kürze seine Dienste über die Glasfasernetze von OXG anbieten und damit die Auswahl für Verbraucher erweitern. Auch die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge planen, ihr eigenes Glasfasernetz bis 2030/2031 für Drittanbieter zu öffnen.
Die Branche hat mit S/PRI eine standardisierte Schnittstelle eingeführt, die Verbindungen zwischen verschiedenen Glasfasernetzen vereinfachen soll. Damit sollen technische Hürden abgebaut und der Wettbewerb gefördert werden. Doch nicht alle Betreiber sind sich einig, wie diese Änderungen umgesetzt werden sollen. Marc Kahabka von VSE Net warnte, dass die Nachrüstung bestehender Netze mit neuen Standards erhebliche Herausforderungen mit sich bringe.
Auch finanzielle Aspekte spielen eine Rolle. Steven Blount von EWE Tel räumte ein, dass offener Netzzugang höhere Anfangsinvestitionen erfordere, argumentierte aber, dass dies langfristig zu einer besseren Auslastung der Netzkapazitäten führe. Die regulatorische Aufsicht bleibt ein Streitpunkt: Daniela Brönstrup von der Bundesnetzagentur (BNetzA) fordert strengere Eingriffe, falls die Prinzipien des offenen Zugangs nicht eingehalten werden.
Die Nachfrage der Kunden treibt diesen Wandel maßgeblich voran. Laut Frank Rosenberger von 1&1 Versatel erwarten 83 Prozent ihrer Kunden mittlerweile die Möglichkeit, den Anbieter frei wechseln zu können. Dieser Druck zwingt die Betreiber, traditionelle geschlossene Netzmodelle zu überdenken.
Die deutsche Glasfaserbranche steht an einem Scheideweg. Offener Netzzugang gilt zunehmend als entscheidend für das Wachstum, doch technische und finanzielle Hindernisse bleiben bestehen. Während sich immer mehr Partnerschaften bilden und Standards weiterentwickeln, wird das Gleichgewicht zwischen Wettbewerb und Infrastruktur-Effizienz darüber entscheiden, wie sich der Markt in den kommenden Jahren entwickelt.






