Grüne suchen neuen Zugang zu jungen Männern – mit Fitnessstudios und Pink
Stefan TrubinGrüne suchen neuen Zugang zu jungen Männern – mit Fitnessstudios und Pink
Die Grünen überdenken ihre Ansprache junger Männer
Bei der letzten Wahl zeigte sich ein deutlicher Graben: Während junge Frauen eher linksliberale Parteien wählten, tendierten junge Männer zur rechtspopulistischen AfD. Nun sucht die Parteiführung nach neuen Wegen, um Männer mit progressiven Ideen zu erreichen – über soziale Medien, Schulen oder sogar Fitnessstudios.
Eine Schlüsselfigur dieser Neuausrichtung ist Felix Banaszak, einer der beiden Parteivorsitzenden der Grünen. Er gibt zu, dass sein früherer Ansatz zu konfrontativ gewesen sein könnte, und setzt nun auf einen inklusiveren Dialog über Geschlechterrollen.
Die Kluft zwischen jungen Männern und den Grünen wurde bei der letzten Bundestagswahl offenkundig. Während junge Frauen mehrheitlich linksliberale Parteien unterstützten, wandten sich junge Männer der AfD zu. Dieser Trend zwingt die Grünen zum Umdenken.
Banaszak versuchte bereits im Februar, mit einem Interview im Playboy junge Männer zu erreichen – dort präsentierte er Feminismus als etwas, das auch Männern nütze. Seine These: Starre Geschlechterklischees schränken alle ein, nicht nur Frauen. Sein in Pink gestrichenes Büro symbolisiert seine Ablehnung traditioneller Männlichkeitsbilder. Gleichzeitig räumt er ein, dass sein früherer Ton manche Männer abschrecken könnte.
Andere Grüne setzen auf andere Strategien. Rasmus Andresen, Europaabgeordneter der Partei, postet Videos aus Fitnessstudios und Fußballstadien. Das Ziel: junge Männer dort abholen, wo sie sind – online wie offline, in Schulen, ländlichen Regionen oder Arbeitsgruppen der Partei.
Neu ist der Ansatz nicht ganz. Schon 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Doch der aktuelle Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der Rechtspopulisten wie der AfD-Politiker Maximilian Krah jungen Männern suggerieren, politische Identität könne ihre Dating-Probleme lösen.
Vor 20 Jahren trug der Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne Aufsehen Pink auf dem Platz. Heute hoffen die Grünen, dass sich wandelnde Männlichkeitsbilder helfen, die politische Spaltung zu überwinden.
Die Partei erprobt nun neue Wege, um mit jungen Männern über Gleichberechtigung und Politik ins Gespräch zu kommen – in Schulen, ländlichen Gebieten oder im Netz. Ob ein sanfterer Ton und gezielte Ansprache die Kluft schließen, bleibt abzuwarten.






