Herrenknecht-Chef warnt: Deutschland steuert "direkt auf die Wand zu"
Stefan TrubinHerrenknecht-Chef warnt: Deutschland steuert "direkt auf die Wand zu"
Martin Herrenknecht, Chef des weltweit führenden Tunnelbohrunternehmens Herrenknecht AG, warnt in drastischen Worten vor Deutschlands Zukunft. Der Unternehmer erklärt, das Land steuere „direkt auf die Wand zu“, wenn nicht grundlegende Reformen die überbordende Bürokratie und einen Wandel der gesellschaftlichen Einstellungen bekämpften.
Das in Schwanau im Ortenaukreis ansässige Unternehmen beherrscht den Markt für Tunnelvortriebsmaschinen. Mit rund 5.500 Beschäftigten weltweit war es an prestigeträchtigen Projekten wie dem Gotthard-Basistunnel, dem Brenner-Basistunnel und Stuttgart 21 beteiligt. Doch trotz dieser Erfolgsbilanz beschreibt der Vorstandsvorsitzende Deutschland nun als in einem „Dornröschen-Schlaf“ gefangen – erstickt von übermäßiger Regulierung.
Als Beispiel nannte er ein Logistikzentrum in Baden-Württemberg, dessen Planung seit dreieinhalb Jahren feststeckt, während ein vergleichbares Vorhaben in Chennai, Indien, bereits innerhalb von nur drei Monaten genehmigt wurde. Herrenknecht ging sogar so weit zu behaupten, er „könnte sein Unternehmen heute nicht mehr gründen“ – wegen der „absurden Bürokratie“, die mittlerweile herrsche.
Doch nicht nur administrative Hürden kritisierte er, sondern auch gesellschaftliche Entwicklungen. Deutschland sei zu einer „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“ geworden, in der Durchhaltevermögen und Pragmatismus zunehmend verloren gingen, so der Unternehmer.
Die Warnungen kommen zu einer Zeit, in der die Herrenknecht AG international weiterhin erfolgreich ist – trotz der Herausforderungen im Heimatmarkt. Seine Äußerungen spiegeln die wachsende Verärgerung von Wirtschaftsführern über Verzögerungen und Ineffizienzen im deutschen Planungssystem wider. Der Kontrast zu dynamischeren Volkswirtschaften, so Herrenknecht, berge die Gefahr, dass Deutschland den Anschluss verpasse.






