Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest mit System und Satire
Christina SorgatzJoe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest mit System und Satire
Der Komiker Joe Lycett hat seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen – als Protest gegen die aggressive Markenrechtspolitik des Modeunternehmens. Der Schritt folgt auf eine Reihe juristischer Drohungen, mit denen der Luxushersteller kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen unter Druck setzte, die das Wort "BOSS" in ihren Namen verwenden.
Die Auseinandersetzung erhielt besondere Aufmerksamkeit, nachdem die Initiative DarkGirlBoss, die schwarze Unternehmerinnen fördert, eine Abmahnung von Hugo Boss erhalten hatte. Die Organisation versuchte, ihren Namen als Marke eintragen zu lassen, sah sich jedoch mit rechtlichem Druck des Modekonzerns konfrontiert. Ähnlich erging es der kleinen Brauerei Boss Brewing aus Swansea, die nach einer Klagedrohung von Hugo Boss rund 10.000 Pfund für Anwalts- und Umfirmierungskosten aufbringen musste.
Lycetts Namensänderung fällt zusammen mit der Vorstellung eines neuen Produkts unter seiner angenommenen Identität in seiner Show "Got Your Back". Der Komiker betonte, dass er – anders als der historische Hugo Boss – keine Nazi-Uniformen hergestellt habe. Das ursprüngliche Unternehmen, 1924 gegründet, produzierte während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich SS-Uniformen unter Einsatz von Zwangsarbeit. 2011 entschuldigte sich der Konzern offiziell für das "Leid und die Entbehrungen", die sein Handeln während der NS-Zeit verursacht hatte.
Heute betreibt Hugo Boss weltweit über 439 Filialen. Trotz seiner Vergangenheit setzt das Unternehmen seine Markenrechte weiterhin konsequent durch – oft zum Nachteil kleinerer Betriebe. Lycetts Protest lenkt die Aufmerksamkeit auf den anhaltenden Konflikt zwischen unternehmerischem Markenschutz und dessen Auswirkungen auf unabhängige Unternehmen. Die Geschichte des Modehauses, einschließlich der NS-Vergangenheit seines Gründers, verleiht der Debatte eine zusätzliche Brisanz. Mit seiner Aktion erhöht der Komiker nun den Druck auf Hugo Boss, die eigene juristische Vorgehensweise zu überdenken.






