14 March 2026, 18:38

Jürgen Habermas stirbt mit 96 – ein Denker der Demokratie geht

Porträt von Hermann Boerhaave, einem deutschen Philosophen, mit Text am unteren Bildrand.

Steinmeier und Merz ehren verstorbenen Philosophen Habermas - Jürgen Habermas stirbt mit 96 – ein Denker der Demokratie geht

Jürgen Habermas, Deutschlands einflussreichster zeitgenössischer Philosoph, ist im Alter von 96 Jahren in Starnberg verstorben. Sein Tod löste Würdigungen führender Politiker aus, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz, die seinen tiefgreifenden Einfluss auf das demokratische Denken und die öffentliche Debatte hervorhoben.

Habermas galt als streitbarer Intellektueller, der politische Kontroversen nie scheute. Über Jahrzehnte bezog er klar Position zu globalen Schlüsselfragen: Er lehnte den Irak-Krieg 2003 ab, setzte sich während der Eurokrise 2011 für eine europäische Fiskalunion ein und unterstützte 2015 das griechische Referendum gegen Sparmaßnahmen – stets verbunden mit dem Appell zu Kompromissen. 2016 verurteilte er den aufkommenden Nationalismus im Zuge des Brexit und der Wahl Donald Trumps. In jüngerer Zeit warnte er vor rechtspopulistischen Tendenzen in Deutschland, kritisierte die Migrationspolitik der AfD und äußerte sich zum Israel-Hamas-Konflikt mit Forderungen nach Waffenruhen und einer klaren Absage an Extremismus aller Seiten.

Bundespräsident Steinmeier bezeichnete Habermas als "großen Denker der Aufklärung", der die Widersprüche der Moderne analysierte und die demokratische Debattenkultur prägte. Obwohl seine Gesundheit in den letzten Jahren nachließ, betonte Steinmeier, dass Habermas es stets als Pflicht ansah, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt Stellung zu beziehen. Deutschland schulde dem Philosophen "eine unermessliche Dankesschuld", so Steinmeier – nun liege es an Wissenschaft, Journalismus und Politik, sein Erbe zu bewahren.

Bundeskanzler Merz schloss sich diesen Worten an und nannte Habermas "einen der bedeutendsten Denker unserer Zeit". Seine soziologischen und philosophischen Werke hätten Generationen von Forschern geprägt und seien ein "Leuchtfeuer in stürmischen Zeiten" für die Gesellschaft, so Merz. Der Kanzler unterstrich, wie Habermas' Ideen bis heute den demokratischen Diskurs weltweit inspirieren.

Habermas hinterlässt ein umfangreiches Werk, das die öffentliche Debatte und die politische Philosophie neu definierte. Seine Eingriffe in globale Diskussionen – von Wirtschaftskrisen bis zu Menschenrechten – festigten seinen Ruf als moralische Instanz für viele. Die Herausforderung bestehe nun, wie Politiker betonten, darin, sein intellektuelles Vermächtnis zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Quelle