Klagenfurter Literaturfest: Preise, Proteste und die Frage nach fairer Bezahlung
Franz-Peter SchachtKlagenfurter Literaturfest: Preise, Proteste und die Frage nach fairer Bezahlung
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt brachten scharfe Debatten und bemerkenswerte Auszeichnungen
Wirtschaftliche Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung – Diskussionen über Fördergelder und Gewinnspannen überschatten teilweise die Feierlichkeiten. Autor:innen und Juror:innen lieferten sich hitzige Auseinandersetzungen über den Wert literarischer Arbeit.
Besondere Aufmerksamkeit erregte Slata Roschal, die nach ihrer Lesung ihren sofortigen Rückzug verkündete. Sie verweigerte die Konfrontation mit der Jury und kritisierte die Literaturbetriebe scharf: Die Förderungen seien schlecht bezahlt, die Gewinnmargen kläglich. Ihr Abgang unterstrich die finanziellen Spannungen, die über dem Festival schwebten.
Die aus sieben Frauen bestehende Jury analysierte die Texte der Autor:innen öffentlich, während diese vor ihnen standen. Im Mittelpunkt stand unter anderem Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem der Allmächtige als Angeklagter im Dock erscheint.
Mehrere Schriftsteller:innen wurden für ihre Werke ausgezeichnet: Schaette erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis der Bachmann-Wettbewerbs sowie den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen. Magdalena Schrefel gewann den 3sat-Preis für Kirschen, Herz in der Schlinge, eine Reflexion über ihre Brustkrebsdiagnose. Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ und dessen Alltagskämpfe geehrt. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für seinen Text Vater ohne Sohn.
Burkhard Spinnen brachte die übergreifende Debatte auf den Punkt: Kunst zu schaffen erfordere große Freiheit von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Druck.
Das Festival zeigte sowohl literarische Höchstleistungen als auch die harten finanziellen Realitäten des Schreibens. Zwar gingen verdiente Autor:innen mit Preisen nach Hause, doch die Diskussionen über angemessene Bezahlung und künstlerische Unabhängigkeit blieben ungelöst. Die Veranstaltung endete mit offenen Fragen nach dem Gleichgewicht zwischen Kreativität und wirtschaftlichem Überleben.
