16 April 2026, 12:33

Landwirte warnen vor Ernteverlusten durch strengere Pestizidregeln und Zikadenplage

Ein altes Buch mit einer Zeichnung einer Heuschrecke auf dem Cover und Text auf den Seiten.

Landwirte warnen vor Ernteverlusten durch strengere Pestizidregeln und Zikadenplage

Deutsche Landwirte warnen vor ernsten Risiken für die Grundnahrungsmittelproduktion, falls chemische Pestizide weiter eingeschränkt werden. Im Mittelpunkt der Debatte stehen Neonikotinoide, eine umstrittene Klasse von Insektiziden, die trotz EU-weiter Verbote noch unter Notfallregelungen eingesetzt werden. Aktuelle Ausbrüche der Zikadenart Hyalesthes obsoleta haben die Forderungen nach einem weiteren Einsatz von Pestiziden verschärft, während Kritiker auf die Umweltfolgen hinweisen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat Bedenken geäußert, den Zugang zu wichtigen Pflanzenschutzmitteln zu verlieren. DBV-Präsident Joachim Rukwied argumentiert, dass ohne diese Wirkstoffe bestimmte Kulturen – darunter Zuckerrüben und Kartoffeln – in Deutschland unwirtschaftlich werden könnten. Die Dringlichkeit des Themas hat durch die Ausbreitung der Zikadenart zugenommen, die Pflanzenschädlinge überträgt und so die Erntequalität mindert.

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Diese Schädlinge gedeihen besonders in modernen Anbausystemen mit großen Monokulturen und schnellen Fruchtfolgen. Zwar werden Neonikotinoide zu ihrer Bekämpfung eingesetzt, doch belasten sie auch Bestäuber, indem sie Pollen und Nektar verunreinigen. Die EU hat mehrere dieser Wirkstoffe verboten, erlaubt ihren Einsatz aber in Einzelfällen noch über Notfallzulassungen.

Die politische Diskussion dreht sich nun um eine Reform der Pestizid-Zulassungen, wobei der aktuelle Zikadenbefall als zentraler Streitpunkt gilt. Landwirte betonen, dass befallene Kulturen geschützt werden müssen, um wirtschaftliche Verluste zu vermeiden und die Erträge zu sichern. Agroökologische Alternativen wie vielfältigere Fruchtfolgen stoßen jedoch auf Widerstand, da sie mit der großflächigen, standardisierten Landwirtschaft kaum vereinbar sind.

Wenke Dargel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linken, wirbt im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für ihre Position – dort werden agrarpolitische Themen voraussichtlich eine große Rolle spielen. Derweil wehrt sich der DBV weiterhin gegen das, was er als "Wirkstoffverluste" in den Pestizidregulierungen bezeichnet.

Der Konflikt zeigt das Spannungsfeld zwischen hoher Produktivität in der Landwirtschaft und dem Schutz der Umwelt. Chemische Pestizide bleiben eine kurzfristige Lösung zur Schädlingsbekämpfung, doch ihr langfristiger Einsatz wird zunehmend infrage gestellt. Angesichts verschärfter EU-Vorgaben müssen Landwirte und Politiker abwägen zwischen akutem Produktionsbedarf und den ökologischen Folgen.

Quelle