Lilli Tollkiens Debütroman entblößt eine zerrissene Berliner Kindheit der 1980er
Claire MühleLilli Tollkiens Debütroman entblößt eine zerrissene Berliner Kindheit der 1980er
Lilli Tollkiens Debütroman Den Himmel mit beiden Händen halten erzählt die erschütternde Geschichte von Lale, einem Kind, das in einer chaotischen Berliner Kommune der 1980er-Jahre aufwächst. Schon mit achtzehn Monaten wird sie in staatliche Obhut gegeben – ihre frühen Jahre sind geprägt von Vernachlässigung, Sucht und unsichtbaren Gefahren.
Das Buch, dessen Veröffentlichung für 2026 geplant ist, hat bereits Aufmerksamkeit erregt wegen seiner schonungslosen Schilderung des Überlebenskampfes in einer Welt, in der revolutionäre Ideale auf harte Realitäten prallen.
Lale kommt unter schwierigsten Bedingungen zur Welt. Ihre Mutter, heroinabhängig, ist unter Drogen und unfähig, sich um sie zu kümmern, als das Mädchen mit achtzehn Monaten versehentlich Rohypnol-Tabletten schluckt. Ihr Vater, ein Kleinkrimineller mit Verbindungen zur linksradikalen APO, sitzt im Gefängnis – und so landet Lale in staatlicher Fürsorge.
Sie wächst in einer Berliner Männer-WG auf, wo politische Debatten mit exzessivem Alkoholkonsum, Drogen und endlosen Partys verschmelzen. Als einziges Kind an einem Ort, an dem Frauen kommen und gehen, ist Lale ständigen Bedrohungen ausgesetzt. Der sexuelle Missbrauch durch einen Mitbewohner wird zu einem Teil ihrer traumatischen Kindheit, verborgen vor ihrem Vater, der später der Kommune beitritt – ahnungslos über die Gefahren, denen seine Tochter ausgesetzt ist.
Die Schule wird zu Lales einzigem Rückzugsort, ein Ort, an dem sie glänzt – bis zur Pubertät. Dann stürzt ihr Leben in Sucht und instabile Beziehungen ab, ein Spiegelbild der Instabilität ihrer Erziehung.
Tollkien, geboren 1980, schöpft aus eigenen Erfahrungen in Berlin, wo sie als Suchtberaterin und Jobcoach arbeitete. Ihr Hintergrund in Regie und Musiktherapie verleiht dem Roman zusätzliche emotionale Tiefe und macht Lales Geschichte sowohl packend als auch zutiefst bewegend.
Der Roman hinterlässt die Leser:innen tief erschüttert, lässt sie jede Seite mit verzweifelter Hoffnung auf Lales Befreiung umblättern. Ihr Weg spiegelt den Kampf eines Kindes wider, das sich in einer Welt behaupten muss, in der Fürsorge Mangelware und Gefahr allgegenwärtig ist.
Holding Up the Sky with Both Hands (dt. Den Himmel mit beiden Händen halten) ist ein kraftvolles Zeugnis von Widerstandsfähigkeit, eingebettet in eine der turbulentesten Epochen der Berliner Geschichte.






