Mainz schafft Kurzstreckenticket nach massivem Nachfragerückgang ab
Franz-Peter SchachtMainz schafft Kurzstreckenticket nach massivem Nachfragerückgang ab
Mainz stellt Kurzstreckenticket nach jahrelangem Nachfragerückgang ein
Die Zahl der verkauften Einzeltickets für kurze Strecken in Mainz ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Zwischen 2019 und 2025 gingen die Verkäufe von Erwachsenentickets um 83 Prozent zurück, bei Kindertickets betrug der Rückgang sogar 88 Prozent. Die Abschaffung folgt einem bundesweiten Wandel im Mobilitätsverhalten.
Noch 2019 hatten die Mainzer Verkehrsbetriebe rund 391.000 Kurzstreckentickets für Erwachsene verkauft – bis 2025 brach diese Zahl auf nur noch 65.000 ein. Ein ähnlicher Trend zeigt sich in anderen Städten, wo günstigere Alternativen wie das Deutschlandticket oder lokale Monatskarten zunehmend bevorzugt werden.
Das 2023 eingeführte Deutschlandticket führte zu einem deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen im gesamten Land. Viele Ballungsräume verzeichneten Zuwächse von 20 bis 30 Prozent, wodurch die Attraktivität von Einzelfahrten für kurze Strecken weiter sank. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Verwaltung, Kontrolle und Vertrieb der Kurzstreckentickets, während ihr Preisvorteil gegenüber Mehrfahrtenkarten schrumpfte.
Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) begründete die Abschaffung damit, dass der Aufwand für die Aufrechterhaltung des Angebots in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen stehe. Zugleich wies das Unternehmen Bedenken zurück, der ÖPNV könnte dadurch an Attraktivität verlieren, und verwies auf die Mehrfahrtenkarte als praktikable Alternative. Trotz Kritik der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), die den Schritt infrage stellte, bestätigten die Verantwortlichen, dass eine Wiedereinführung des Tickets nicht geplant sei.
Das Kurzstreckenticket wird es in Mainz und Wiesbaden künftig nicht mehr geben. Die MVG schloss eine Ersatzlösung aus und verwies auf die geringe Nachfrage sowie die hohen Betriebskosten. Für Gelegenheitsfahrer bleibt die Mehrfahrtenkarte die primäre Option in der Region.






