Mehr Kriegsdienstverweigerer: Warum junge Deutsche den Militärdienst ablehnen
Stefan TrubinMilitärberater bei der Einberufung: 'Elternsorgen wachsen' - Mehr Kriegsdienstverweigerer: Warum junge Deutsche den Militärdienst ablehnen
Deutschland verzeichnet starken Anstieg bei Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung
In den vergangenen Jahren hat Deutschland einen deutlichen Anstieg der Anträge auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer erlebt. Bis 2025 genehmigten die Behörden 2.830 solche Anträge, weitere 1.035 wurden bis Ende Februar dieses Jahres bewilligt. Gleichzeitig führt das Land nun ein neues System ein, das alle 18-Jährigen verpflichtet, einen Fragebogen zu ihrer Eignung für den Militärdienst auszufüllen.
Die ersten Schreiben mit den neuen Fragebögen wurden am 15. Januar in Sachsen-Anhalt verschickt, weitere folgten bis Ende des Monats. Männer sind gesetzlich zur Beantwortung verpflichtet, während Frauen den Bogen freiwillig erhalten. Dieser Schritt erfolgt, obwohl in Deutschland derzeit keine allgemeine Wehrpflicht besteht.
Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Bewerbungen für den freiwilligen Wehrdienst in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gestiegen. Sollte die Bundeswehr jedoch Schwierigkeiten haben, genug Freiwillige zu rekrutieren, behält sich die Regierungskoalition vor, eine "bedarfsorientierte Wehrpflicht" einzuführen.
Viele Menschen ringt nach wie vor mit der Vorstellung von Krieg und der Frage, ob sie selbst daran teilnehmen würden. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bietet Beratung für diejenigen an, die unsicher sind, ob sie Militärdienst leisten möchten. Die Sorgen erstrecken sich auch auf Familien, in denen Eltern und Großeltern sich oft Gedanken um ihre erwachsenen Kinder oder Enkelkinder machen, die möglicherweise einberufen werden könnten.
Es gibt keine öffentlichen Aufzeichnungen oder Daten, die darauf hindeuten, dass Reservisten die EKM wegen hypothetischer Einsätze – etwa eines "Angriffs auf den Iran" – um Rat gefragt hätten. Ein solches Ereignis hat nicht stattgefunden, und die Kirche erfasst oder veröffentlicht keine derart spezifischen Statistiken.
Der Anstieg der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung spiegelt eine wachsende Unsicherheit gegenüber militärischer Beteiligung wider. Mit dem neuen Fragebogensystem müssen sich junge Erwachsene nun positionieren. Ob die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, hängt in den kommenden Jahren vom Erfolg der Rekrutierung ab.






