Philipp Graf enthüllt das vergessene jüdische Erbe Halberstadts in der DDR
Christina SorgatzPhilipp Graf enthüllt das vergessene jüdische Erbe Halberstadts in der DDR
Ein vergessener Teil der Geschichte: Philipp Grafs neues Buch über das jüdische Erbe Halberstadts in der DDR
Der Historiker Philipp Graf beleuchtet in seinem neuen Buch das in Vergessenheit geratene jüdische Erbe Halberstadts während der DDR-Zeit. „Verleugnetes Erbe: Die jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR“ untersucht, wie die antifaschistische Ideologie der DDR daran scheiterte, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Basierend auf Archivmaterial, Interviews und kulturellen Zeugnissen zeichnet das Werk die allmähliche Auslöschung einer einst blühenden Gemeinde nach.
Halberstadt war einst ein Zentrum des jüdischen Neo-Orthodoxie, mit Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert. Die Synagoge der Stadt wurde während der Novemberpogrome 1938 zerstört – der Beginn ihrer systematischen Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Bis Kriegsende war die jüdische Gemeinschaft ausgelöscht, und das nahegelegene Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge wurde zu einem Ort der Zwangsarbeit.
1949 entstand auf dem Lagergelände eine Gedenkstätte für die Opfer. Zwei Jahrzehnte später gestaltete die DDR den Ort zu einer Kulisse für politische Kundgebungen um – direkt über den Gräbern der Häftlinge. In den 1970er-Jahren wurden die Stollen des Lagers als Militärdepot für die Nationale Volksarmee zweckentfremdet.
Grafs Buch umfasst neun Kapitel und dokumentiert, wie der offizielle Antifaschismus der DDR jüdische Erfahrungen oft überging. Es lenkt den Blick auf kulturelle Relikte wie die Schallplatten der jiddischen Sängerin Lin Jaldati oder die Romane von Peter Edel und Jurek Becker. Die Studie enthält zudem eine annotierte Bibliografie und ein Vorwort der Historikerin Yfaat Weiss.
Der Autor plädiert dafür, sowohl linken als auch rechten Autoritarismus – sowie den fortbestehenden Antisemitismus – neu zu hinterfragen. Er fordert innovative analytische Ansätze, um zu verstehen, wie historische Erzählungen unterdrückt wurden.
Das Buch wirft Licht auf eine Geschichte, die in der DDR weitgehend ignoriert wurde. Durch Interviews, Archivarbeit und kulturelle Analysen rekonstruiert Graf, was verloren ging. Seine Erkenntnisse stellen gängige Annahmen über das Verhältnis der DDR zu ihrer jüdischen Vergangenheit infrage.






