Polizei Reutlingen kooperiert mit Gedenkstätte für NS-Aufarbeitung in der Ausbildung
Stefan TrubinPolizei Reutlingen kooperiert mit Gedenkstätte für NS-Aufarbeitung in der Ausbildung
Neue Kooperation zwischen dem Polizeipäsidium Reutlingen und der Initiative Gedenkstätte Friedhof X ermöglicht Führungen für Beamte durch die Ausstellung "Grenzenlose Anatomie: Tübinger Wissenschaft und Nationalsozialismus"
Eine am 18. März 2026 unterzeichnete Vereinbarung zwischen dem Polizeipäsidium Reutlingen und der Initiative Gedenkstätte Friedhof X besiegelt die Zusammenarbeit im Rahmen eines landesweiten Polizeiprojekts, das 2024 ins Leben gerufen wurde, um Demokratie und Toleranz innerhalb der Behörde zu stärken.
Die Ausstellung untersucht, wie das Anatomische Institut der Universität Tübingen mit dem NS-Regime verflochten war. Polizeibedienstete erhalten künftig im Rahmen ihrer beruflichen Weiterbildung regelmäßigen Zugang zu den Inhalten.
Polizeipräsident Udo Vogel und Professorin Dr. Benigna Schön Hagen als Vertreterin der Initiative Gedenkstätte Friedhof X unterschrieben die Kooperationsvereinbarung in Reutlingen. Vogel betonte den Wert solcher Gedenkstättenbesuche für die politische Bildung und bezeichnete es als unverzichtbar, die Gefahren einer Aushöhlung des Rechtsstaats zu begreifen.
Das Projekt ist Teil der "Strategischen Patenschaft für Demokratie und Toleranz", einer Initiative der Polizei Baden-Württemberg, die 2024 eingeführt wurde. Bereits fünf sogenannte "strategische Paten" beim Polizeipäsidium Reutlingen wurden für die Leitung des Programms geschult. Zu ihren Aufgaben gehören die Organisation von Ausstellungsbesuchen, Gastvorträgen sowie Exkursionen zu historischen Stätten, die mit der NS-Verfolgung verbunden sind.
Schön Hagen dankte der Polizei für ihr Engagement, die Ausstellung über das Jahr 2027 hinaus zu erhalten. Die Zusammenarbeit bezeichnete sie als wichtigen Schritt, um den interkulturellen Austausch und demokratische Werte unter den Beamten zu fördern. Die Führungen sollen sicherstellen, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intensiv mit dem historischen Material auseinandersetzen und so ihr Verständnis für die Auswirkungen dieser Epoche auf Wissenschaft und Gesellschaft vertiefen.
Die Partnerschaft bietet Polizeibeschäftigten in Reutlingen strukturierte Möglichkeiten, sich in fachkundig geleiteten Formaten mit der NS-Geschichte zu beschäftigen. Durch die Verankerung dieser Besuche in der Ausbildung will die Behörde demokratische Grundsätze und historisches Bewusstsein stärken. Die langfristige Finanzierung des Projekts sichert nicht nur den Fortbestand der Ausstellung, sondern verankert ihre Lehren nachhaltig in der polizeilichen Bildungsarbeit.






