Schwarmkraftwerk am Rhein: 124 Mini-Turbinen erzeugen Strom aus der Strömung
Stefan TrubinSchwarmkraftwerk am Rhein: 124 Mini-Turbinen erzeugen Strom aus der Strömung
Am Rhein entsteht ein neuartiges Schwarmkraftwerk. In St. Goar werden 124 Energyfish-Einheiten installiert – die erste Anlage dieser Größe. Entwickelt vom Unternehmen Energyminer, sollen diese kleinen, schwimmenden Turbinen Strom aus der Strömung des Flusses gewinnen.
Jede Energyfish-Einheit misst etwa 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe bei einem Gewicht von rund 80 Kilogramm. Sie kann bis zu 6 Kilowatt Leistung erzeugen und pro Jahr schätzungsweise 15 Megawattstunden liefern. Ein Schwarm aus 100 Einheiten könnte somit jährlich etwa 1,5 Gigawattstunden produzieren.
Das System ist für den ganzjährigen Betrieb ausgelegt, widerstandsfähig gegen Hochwasser und soll Fische nicht gefährden. Energyminer gibt an, dass die Wartung minimal ausfällt und die Anlage rund um die Uhr arbeiten kann. Die gestützten Stromgestehungskosten liegen demnach bei etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde – inklusive Investitionen, Betrieb und Instandhaltung. Die durchschnittliche jährliche Rendite wird über 20 Jahre auf mindestens 8 Prozent beziffert.
Doch Flüsse bergen Herausforderungen: Die Fließgeschwindigkeit schwankt je nach Jahreszeit, Hochwasser kann Treibgut mit sich bringen, Niedrigwasser mindert die Leistung, und in kalten Regionen könnte Eis die Anlagen beeinträchtigen. Die tatsächliche Performance des Schwarmes hängt von Faktoren wie der monatlichen Produktion pro Einheit, Ausfallzeiten und Wartungsbedarf ab. Selbst bei Volllast würde eine Installation mit 124 Einheiten nur wenige hundert Kilowatt erzeugen – eine Form der dezentralen Stromerzeugung rather als ein großindustrielles Kraftwerk.
Das Projekt in St. Goar könnte eine zuverlässige Energiequelle für Regionen bieten, in denen Diesel teuer oder die Logistik schwierig ist. Sein Erfolg wird sich an realen Daten zu Produktion, Kosten und Widerstandsfähigkeit messen lassen. Noch ist die Technologie zwar klein im Maßstab, aber vielversprechend für spezifische Anwendungsfälle.
