Wie der Flaggenstreit der Weimarer Republik Deutschland spaltete
Deutschlands erbitterter Flaggenstreit spitzte sich in der Mitte der 1920er-Jahre zu, als sich die politischen Gräben um die nationalen Symbole vertieften. Der Konflikt zwischen Schwarz-Rot-Gold – unterstützt von linken und bürgerlichen Parteien – und Schwarz-Weiß-Rot – hochgehalten von der Rechten – erreichte 1926 mit einem umstrittenen Erlass einen Wendepunkt. Der Streit, verwurzelt in den Folgen des Ersten Weltkriegs, blieb bis 1933 ungelöst.
Die Auseinandersetzung nahm klarere Konturen an, nachdem die Alliierten den Anschluss Österreichs an Deutschland blockiert hatten. Dieser Schritt trieb die politische Rechte dazu, sich hinter Schwarz-Weiß-Rot zu scharen, während die Parteien der Weimarer Koalition – Sozialdemokraten, Zentrumspartei und Demokraten – konsequent Schwarz-Rot-Gold unterstützten. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung in zwei Blöcke verfestigt: einen „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und einen „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Selbst die Kommunisten, die sich einst aus der Debatte herausgehalt hatten, positionierten sich nun für Schwarz-Rot-Gold – ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Loyalitäten seit der Revolution von 1918/19 verschoben hatten.
Die Wahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten 1925 stärkte der Rechten den Rücken. Um im Flaggenstreit einen entscheidenden Sieg zu erringen, erließ seine Regierung am 5. Mai 1926 die Zweite Flaggenverordnung. Das Dekret schrieb vor, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot mit den kaiserlichen Farben im Eck) hissen mussten. Die Strategie war kalkuliert: Die Linke und die Mitte sollten zu bedingungsloser Unterstützung für Schwarz-Rot-Gold gedrängt werden, während die Rechte ihren Anspruch auf die alten kaiserlichen Farben unterstrich.
Versuche, einen Kompromiss zu finden, waren bereits gescheitert. Edwin Redslob, der Reichskunstwart, erhielt den Auftrag, eine einheitliche Reichsflagge zu entwerfen, scheiterte jedoch trotz zahlreicher Vorschläge. Sein Favorit – ein rot-gelb gevierteltes Tuch mit einem schwarzen Balkenkreuz – setzte sich nie durch. Ohne gemeinsamen Nenner zog sich der Streit ungelöst bis in die letzten Jahre der Weimarer Republik hin.
Die Verordnung von 1926 brachte keine Lösung, sondern zementierte die Spaltung bis 1933. Jeder Versuch, sich auf nationale Symbole zu einigen, scheiterte – zurück blieben die verfeindeten Farben als dauerhafte Zeichen der zerrissenen deutschen Politik.






