WM-Fieber kostet deutsche Wirtschaft 1,3 Milliarden Euro an Produktivität
Stefan TrubinWM-Fieber kostet deutsche Wirtschaft 1,3 Milliarden Euro an Produktivität
Die laufende Fußball-Weltmeisterschaft begeistert Fans auf der ganzen Welt. Das Turnier, das fast fünf Wochen dauert, umfasst mit 104 Spielen mehr Partien als je zuvor. Doch die Auswirkungen beschränken sich nicht auf das Spielfeld – auch Arbeitsplätze in Deutschland und weltweit sind betroffen.
In Deutschland beginnen viele Spiele erst nach Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden. Das führt zu Müdigkeit am Arbeitsplatz: Im Laufe des Turniers gehen pro Mitarbeiter etwa zwölf Arbeitsstunden durch Ermüdung verloren. Für die deutsche Wirtschaft summieren sich die Produktivitätsausfälle auf rund 1,3 Milliarden Euro.
Im Schnitt wenden Arbeitnehmer täglich 26 Minuten ihrer Arbeitszeit für WM-Inhalte auf. Weltweit gibt etwa jeder siebte Beschäftigte zu, heimlich während der Arbeitszeit Spiele zu verfolgen. Nach deutschem Arbeitsrecht ist es Mitarbeitern ohne ausdrückliche Genehmigung nicht erlaubt, das Turnier während der Arbeitszeit zu verfolgen.
Gerichte haben jedoch entschieden, dass das Hören von Spielen im Radio oder das Verfolgen von Live-Ergebnissen am Smartphone grundsätzlich toleriert wird – vorausgesetzt, es stört nicht die Kollegen oder beeinträchtigt die Arbeitsleistung. Wer nach nächtlichen Spielen zu spät kommt, riskiert jedoch eine Abmahnung oder sogar die Kündigung. Erscheint ein Mitarbeiter betrunken zur Arbeit, nachdem er Spiele geschaut hat, dürfen Arbeitgeber ihn für diesen Tag ohne Lohn nach Hause schicken.
Die verlängerte Turnierdauer mit Spielen bis tief in die Nacht hat spürbare Folgen für Unternehmen. Arbeitgeber in Deutschland stehen vor der Herausforderung, die Interessen der Belegschaft mit Produktivität und Arbeitsdisziplin in Einklang zu bringen. Die finanziellen und betrieblichen Auswirkungen sind bereits jetzt im ganzen Land spürbar.






