Antifeministische Angriffe bedrohen Gleichstellungsarbeit in Deutschland immer stärker
Stefan TrubinAntifeministische Angriffe bedrohen Gleichstellungsarbeit in Deutschland immer stärker
Gleichstellungsinitiativen in Deutschland sehen sich wachsender Bedrohung durch organisierte antifeministische Bewegungen ausgesetzt. In jüngster Zeit häufen sich Angriffe auf öffentliche Kampagnen, Kürzungen von Fördergeldern und Belästigungen von Gleichstellungsbeauftragten – ein Zeichen für die zunehmende Zuspitzung der Lage. Die Situation verschärft sich weiter, da die politische Unterstützung schwindet und landesweit Vandalismusvorfälle zunehmen.
In den vergangenen zwei Jahren berichteten 63 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten von Angriffen auf ihre Arbeit, wobei 40 Prozent mehrfach betroffen waren. Allein 2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Eine Beauftragte in Baden-Württemberg erlebte sogar, dass nach einem öffentlichen Statement zu einem brisanten Thema Rechtsextreme vor ihrer Haustür auftauchten.
Auch öffentliche Symbole der Gleichstellung geraten ins Visier. In Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler wurden orangefarbene Bänke beschädigt – Teil der UN-Kampagne Orange the World gegen geschlechtsspezifische Gewalt. In Wiesbaden verschwand eine Bank komplett, in Annweiler wurde der Kampagnenslogan beschmiert.
Zudem steht die Finanzierung von Gleichstellungsprogrammen auf dem Spiel. Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) sagte ihre Teilnahme am BAG-Kongress ab, was Sorgen über ihre geplanten Umstrukturierungen weckt. Das bundesweite Programm „Demokratie leben!“, das lokale Initiativen fördert, könnte wichtige Mittel verlieren. Viele Kommunen haben die Budgets für Gleichstellungsarbeit bereits gekürzt, sodass Beauftragte mit weniger Ressourcen und geringerer institutioneller Rückendeckung auskommen müssen.
Der Anstieg antifeministischer Angriffe fällt mit politischen Verschiebungen und finanziellen Engpässen zusammen. Während Vandalismus, Belästigungen und Kürzungen zunehmen, stehen Kommunen und Aktivist:innen vor immer größeren Herausforderungen, die Unterstützung für Frauen- und Queer-Rechte aufrechtzuerhalten. Die Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend organisierter Gegenwehr gegen Gleichstellungspolitik in Deutschland wider.






