Berlin erzwingt Ausbildungsplätze – doch Startups wehren sich gegen die neue Abgabe
Stefan TrubinBerlin erzwingt Ausbildungsplätze – doch Startups wehren sich gegen die neue Abgabe
Berlin führt eine umstrittene neue Regelung ein, um Unternehmen zu mehr Ausbildungsplätzen zu verpflichten. Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten eine Ausbildungsquote von 4,6 Prozent erfüllen – oder eine Abgabe zahlen. Die Maßnahme stößt bei Startups und Unternehmern in der Stadt auf scharfe Kritik.
2023 waren rund 1.200 Berliner Unternehmen verpflichtet, Ausbildungsplätze anzubieten, doch die aktuelle Ausbildungsquote liegt bei nur 3,8 Prozent – und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent. Um diese Lücke zu schließen, hat das Abgeordnetenhaus der Stadt eine sogenannte Ausbildungsabgabe beschlossen. Unternehmen, die die Quote nicht erreichen, müssen in einen Fonds einzahlen. Die Behörden schätzen, dass dadurch jährlich etwa 75 Millionen Euro eingehen werden.
Viele Gründer halten die Regelung für verfehlt. Agnieszka Walorska von Mika, einem Fintech-Startup, sieht das eigentliche Problem darin, dass junge Menschen zunehmend weniger Interesse an klassischen Berufsausbildungen hätten – und nicht darin, dass Unternehmen nicht ausbilden wollten. Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, bezeichnete die Abgabe als falsches Signal aus Berlin und erklärte, sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf traditionelle Berufsausbildung.
Andere kritisieren, dass die Regelung Startups ungerechtfertigt belaste. Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, wies darauf hin, dass sein Unternehmen schlichtweg keine Ausbildungsberufe benötige. Marius Meiners von Peec AI ergänzte, die hohe Arbeitsbelastung seines Teams mache die Einstellung von Auszubildenden unpraktikabel – er würde lieber die Strafe zahlen, als sich mit unrealistischen Ausbildungsanforderungen zu belasten.
Die neue Abgabe tritt 2028 in Kraft und gibt Unternehmen Zeit zur Anpassung. Betriebe, die die 4,6-Prozent-Marke verfehlen, müssen mit finanziellen Konsequenzen rechnen. Unterdessen bleibt die Kritik bestehen: Die Regelung gehe an den eigentlichen Herausforderungen der modernen Arbeitswelt vorbei.






