03 April 2026, 02:32

EMAF in Osnabrück gerät wegen umstrittenem Film in politische Kritikwelle

Plakat für ein Festival in München mit einem Bild einer Frau umgeben von Menschen und B├Ąumen mit Text.

EMAF in Osnabrück gerät wegen umstrittenem Film in politische Kritikwelle

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück steht wegen der Entscheidung, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour – bekannt unter ihrem Künstlernamen Al-Sharif – zu zeigen, in der Kritik. Die Aufnahme von "Morning Circle" in das Programm hat zu politischem Widerstand geführt: Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Landesregierung distanzieren sich von der Veranstaltung. Kritiker werfen Al-Sharif Antisemitismus und Verbindungen zur BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) vor.

Der Streit entbrannte, als das EMAF die Aufführung von Al-Sharifs Film ankündigte. Daraufhin erklärte die Osnabrücker Stadtregierung öffentlich, sie stehe nicht hinter dem Festival, und begründete dies mit Bedenken gegenüber den politischen Positionen der Künstlerin. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zog seine jährliche Schirmherrschaft für die Veranstaltung zurück.

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Die Vorwürfe beziehen sich weniger auf Al-Sharifs künstlerisches Werk als vielmehr auf ihre Aktivitäten in sozialen Medien. Frühere Äußerungen und symbolische Gesten – darunter ein Halloween-Kostüm mit einem roten Dreieck – wurden als provokativ interpretiert. Unterstützer der BDS-Bewegung, der Al-Sharif vorgeworfen wird nahzustehen, sehen darin eine legitime Form des Protests gegen israelische Politik. Gegner hingegen stufen BDS als antisemitisch ein und verweisen auf rechtliche Einschränkungen, etwa in Österreich, wo BDS-Symbole in bestimmten Kontexten verboten sind.

Trotz der Kontroverse verteidigt das Festival seine Programmauswahl. Das EMAF hat Al-Sharifs Werke bereits in der Vergangenheit gezeigt und verweist auf eine Tradition, auch jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm einzubeziehen. Die Landesregierung betont zwar ihre Ablehnung von Antisemitismus, erkennt aber das Recht des Festivals an, seine Inhalte selbst zu kuratieren.

Die Stadt Osnabrück fördert das EMAF mit jährlich rund 150.000 Euro. Unterdessen hat Thomas Groß, der Oberbürgermeisterkandidat der Linken, die Kritik als Versuch gebrandmarkt, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen.

Die Aufführung von "Morning Circle" hat die tiefen Gräben zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Äußerung offenbart. Das EMAF wird sein Programm wie geplant durchführen – allerdings ohne die Rückendeckung zentraler politischer Akteure. Die Debatte spiegelt die anhaltenden Spannungen um BDS, Meinungsfreiheit und die Grenzen kultureller Förderung in Deutschland wider.

Quelle