Hannovers Finanzskandal: Wie 1,7 Millionen Euro Steuergelder im Respekt Café verschwanden
Stefan TrubinHannovers Finanzskandal: Wie 1,7 Millionen Euro Steuergelder im Respekt Café verschwanden
In Hannover ist ein Finanzskandal aufgeflammt, bei dem der mutmaßliche Missbrauch öffentlicher Gelder im Mittelpunkt steht. Im Zentrum der Kontroverse steht Hülya Iri, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat. Der Fall dreht sich um das Projekt Respekt Café, das beträchtliche staatliche Fördermittel erhielt, jedoch kaum Aktivität zeigte.
2018 gründete Iri den Verein Integrationsarbeit Kronsberg. Bis 2023 sicherte sich die Organisation vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 924.479 Euro für das Respekt Café Kronsberg zu. Weitere Mittel flossen aus Niedersachsen und der Region Hannover, sodass die Gesamtausschüttungen bis Juni 2023 fast 740.000 Euro erreichten.
Lokale Medien berichteten, die Türen des Cafés seien größtenteils geschlossen geblieben, nachweisbare Projekte hätten nicht stattgefunden. Dennoch bezahlten sich Iri und ihre Tochter Esma Bozdemir aus den Vereinsgeldern mindestens 685.000 Euro an Gehältern aus. Irís monatliche Bezüge stiegen im Laufe der Zeit von 1.000 auf 7.680 Euro an.
Die Bedenken verschärften sich, als das Amtsgericht Hannover Insolvenzverfahren gegen den Verein einleitete. Daraufhin traten Iri und Bozdemir von ihren Posten zurück. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob öffentliche Gelder für Immobilienkäufe verwendet wurden – Bozdemir besitzt mehrere Objekte in Hannover.
Adis Ahmetović, Bundestagsabgeordneter und SPD-Landesvize in Niedersachsen, war bereits im Dezember 2022 über die Vorwürfe informiert worden, unternahm jedoch nichts. Doris Schröder-Köpf, die ehemalige Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder, hatte Iri zuvor durch Empfehlungsschreiben an Institutionen unterstützt. SPD-Vertreter, die an strenge Richtlinien zur Verwendung öffentlicher Mittel gebunden sind, äußerten sich bisher nicht zum Fall.
Die Insolvenzverfahren lösten Rücktritte und ein Strafverfahren aus. Die Ermittler untersuchen die Verwendung der Steuergelder, darunter mögliche Immobilientransaktionen. Der Skandal wirft Fragen nach der Kontrolle und Rechenschaftspflicht beim Umgang mit öffentlichen Mitteln auf.
