Linke gedenkt Bücherverbrennung 1933 mit Lesung gegen das Vergessen in Berlin
Stefan TrubinLinke gedenkt Bücherverbrennung 1933 mit Lesung gegen das Vergessen in Berlin
Berlins Linke veranstaltet Lesung zum 91. Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennung
Am 10. Mai veranstaltete die Berliner Linkspartei eine öffentliche Lesung zum Gedenken an den 91. Jahrestag der Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten. Die unter dem Motto „Lesen gegen das Vergessen“ stehende Veranstaltung fand am Bebelplatz statt – jenem Ort, an dem 1933 Tausende Bücher den Flammen zum Opfer fielen. Die Organisatoren wollten damit an die verfolgten Autor:innen erinnern und gleichzeitig gegen heutigen Hass und Rassismus Stellung beziehen.
Die Bücherverbrennungen von 1933 waren Teil der „Aktion wider den undeutschen Geist“, einer nationalsozialistischen Kampagne zur „Säuberung“ der Literatur von als „undeutsch“ eingestuften Werken. Die Propaganda diffamierte die betroffenen Schriften als vom „jüdischen Geist“ durchdrungen, der es zu vernichten gelte. Zwar waren nicht alle verbotenen Autor:innen jüdischer Herkunft, doch die Mehrheit von ihnen – sowie Werke der literarischen Moderne – wurden gezielt zur Zerstörung ausgewählt.
Bei der Veranstaltung der Linken lasen Teilnehmer:innen aus den einst verbrannten Büchern vor, um das kollektive Gedächtnis zu stärken. Die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner kündigte die Lesung auf Instagram an und positionierte sie als Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und geschichtliche Verdrängung. In der offiziellen Ankündigung der Partei wurde jedoch nicht explizit darauf hingewiesen, dass der Großteil der verfolgten Schriftsteller:innen jüdisch war.
Die Gedenkveranstaltung fällt in eine Phase, in der der anti-zionistische Flügel der Linken an Einfluss gewinnt. Diese Entwicklung könnte prägen, wie die Partei künftig mit Antisemitismus umgeht – besonders vor dem Hintergrund der anstehenden Berliner Abgeordnetenhauswahlen im September. Expert:innen betonen, dass sich Antisemitismus von anderen Formen des Rassismus unterscheidet, da er sich spezifisch gegen Jüd:innen richtet und auf historischen sowie ideologischen Motiven beruht.
Die Aktion „Lesen gegen das Vergessen“ unterstrich die anhaltende Gefahr von Zensur und Vorurteilen. Indem die Teilnehmenden an die Verbrennungen von 1933 erinnerten, bekräftigten sie ihren Widerstand gegen Hass und Geschichtsverfälschung. Angesichts innerparteilicher Spannungen und der nahenden Wahlen könnte die Haltung der Linken zum Antisemitismus jedoch weiter auf den Prüfstand gestellt werden.






