Reformpläne für die gesetzliche Krankenversicherung lösen Streit über Milliardenlücken aus
Franz-Peter SchachtReformpläne für die gesetzliche Krankenversicherung lösen Streit über Milliardenlücken aus
Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission hat eine Reihe von Reformen vorgeschlagen, um die wachsende Finanzkrise im deutschen gesetzlichen Krankenversicherungssystem zu bewältigen. Die Vorschläge zielen darauf ab, ein Defizit in Milliardenhöhe zu schließen, doch bereits jetzt regt sich Widerstand – sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung.
Würden die Empfehlungen vollständig umgesetzt, könnte das Gesundheitssystem im kommenden Jahr rund 42 Milliarden Euro einsparen und bis 2030 sogar bis zu 64 Milliarden Euro. Die Änderungen würden jedoch auch höhere Kosten für Versicherte, Arbeitgeber und bestimmte Branchen mit sich bringen.
Laut dem Bericht der Kommission droht bis 2027 ein Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro, der bis zum Ende des Jahrzehnts auf über 40 Milliarden Euro anwachsen könnte. Um dies zu verhindern, schlagen die Experten eine Mischung aus Sparmaßnahmen und Einnahmesteigerungen vor. Ein zentraler Vorschlag sieht vor, vor planbaren Knieoperationen eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – eine Maßnahme, die Milliarden sparen soll. Studien zeigen, dass 85 Prozent der Patienten nach einer zweiten Konsultation auf einen Eingriff verzichten.
Versicherte und ihre Arbeitgeber müssten höhere Beiträge zahlen, was im nächsten Jahr bereits 260 Euro mehr pro Person bedeuten würde und bis 2030 auf bis zu 680 Euro ansteigen könnte. Auch die Zuzahlungen der Patienten würden erhöht, was etwa 4 Milliarden Euro an Einsparungen bringen soll. Ärzte, Krankenhäuser und Pharmahersteller müssten dagegen rund 19 Milliarden Euro der finanziellen Last tragen.
Die Kommission empfiehlt zudem, die Krankenversicherungsbeiträge für Grundsicherungsempfänger in Höhe von 12 Milliarden Euro aus Bundessteuermitteln zu decken. Weitere Einnahmen sollen durch schrittweise Steuererhöhungen auf Tabak und Alkohol sowie eine neue Zuckersteuer von 32 Cent auf zuckerhaltige Getränke generiert werden.
Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte an, die Vorschläge zu prüfen und innerhalb der Regierungskoalition einen Kompromiss auszuhandeln. Doch der Widerstand formiert sich bereits: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lehnte etwa die Idee ab, die beitragsfreie Mitversicherung für nicht erwerbstätige Ehepartner abzuschaffen – ein Schritt, den die Kommission zur Diskussion gestellt hatte.
Sollten die Reformen umgesetzt werden, würden sie die Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems grundlegend verändern – allerdings auf Kosten von Steuerzahlern, Patienten und Wirtschaft. Die Regierung steht nun vor der Herausforderung, finanzielle Stabilität mit öffentlichem und politischem Widerstand in Einklang zu bringen. Die nächsten Schritte von Gesundheitsministerin Warken werden entscheiden, welche Maßnahmen vorankommen und wie schnell sie wirksam werden.






