"Vengeance": Channel 4s mutiges Drama über Rache und moralische Grauzonen startet
Christina Sorgatz"Vengeance": Channel 4s mutiges Drama über Rache und moralische Grauzonen startet
„Vengeance“: Das neue Channel-4-Drama feiert am Sonntag Premiere
Dieser Sonntagabend steht bei Channel 4 ganz im Zeichen der neuen Serie Vengeance, einem packenden Drama der vierfachen BAFTA-Preisträgerin Aysha Rafaele. Die Produktion setzt sich mit den komplexen Themen sexueller Gewalt und menschlichem Verhalten auseinander und zieht bereits Vergleiche zu Netflix’ Adolescence und ITVs Believe Me. Rafaele will ihr Publikum herausfordern, indem sie in der Handlung die Grenzen zwischen Opfer und Täter verwischen lässt.
Ihr aktuelles Projekt, Vengeance: Murder on the Heath, basiert auf dem sogenannten „Honeytrap-Mord“ an Gagandip Singh im Jahr 2007. Das Drama wirft einen neuen Blick auf die sikhistische Gemeinschaft in Großbritannien und beleuchtet den viel diskutierten Fall aus einer frischen Perspektive. Trotz ihres Erfolgs gestaltete sich für Rafaele die Umsetzung von Projekten über britisch-asiatische Erfahrungen oft schwierig: „Es ist einfach extrem schwer, solche Vorhaben zu realisieren“, so die Regisseurin.
Gemeinsam mit ihrem kreativen Partner Joseph Bullman hatte sie mehr Erfolg, als sie ihre Ideen statt an Drama-Redaktionen an Dokumentarfilm-Teams herantrug. Dieser Weg ermöglichte eine schnellere Entwicklung und größere künstlerische Freiheit – wenn auch mit kleineren Budgets. Sowohl Dirty Business als auch Vengeance wurden von der unscripted-Abteilung von Channel 4 in Auftrag gegeben und beweisen, dass auch kostengünstige Produktionen starke Geschichten erzählen können.
Rafaele äußert sich seit Langem kritisch über die mangelnden Fortschritte bei der Vielfalt auf dem Bildschirm – besonders seit Adeel Akhtars BAFTA-Gewinn für Murdered by My Father 2017. Trotz anfänglicher Hoffnungen auf Veränderung habe sich „für die Repräsentation von Schwarzen und britisch-asiatischen Menschen praktisch nichts bewegt“, so ihr ernüchterndes Fazit. Die Besetzung von Vengeance besteht größtenteils aus aufstrebenden Talenten, was ihre Haltung unterstreicht: Rafaele setzt auf frische Stimmen vor der Kamera.
Mit einem mutigen Erzählansatz, bei dem keine Figur rein gut oder böse ist, kommt Vengeance nun auf Channel 4. Die Ausstrahlung wirft einmal mehr die Frage auf, warum die britische Fernsehlandschaft – besonders bei Geschichten über die britisch-asiatische Community – nach wie vor so wenig divers ist. Rafaeles Werk bricht nicht nur erzählerische Konventionen, sondern setzt sich auch für eine stärkere Sichtbarkeit marginalisierter Perspektiven ein.






