Wie Ringel, Ringel, Reihe wirklich entstand – und warum die Pest nur ein Mythos ist
Franz-Peter SchachtWie Ringel, Ringel, Reihe wirklich entstand – und warum die Pest nur ein Mythos ist
Die Ursprünge des Kinderreims Ringel, Ringel, Reihe werden seit langem diskutiert. Viele bringen ihn mit der Großen Pest von London in Verbindung, doch Historiker vermuten eine einfachere Erklärung: Das Lied entstand vermutlich als ein Kinderspiel mit Gesang im Deutschland des 18. Jahrhunderts.
Erstmals in englischer Druckform tauchte der Reim 1881 auf – ein Zeitpunkt, der Zweifel an der angeblichen Verbindung zur Pestepidemie von 1665 aufkommen lässt. Der Bezug zwischen dem Lied und der Pest wurde erst 1961 hergestellt, Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung.
Einige glauben, der Reim sei im 19. Jahrhundert als Umgehung religiöser Tanzverbote für junge Menschen entstanden. Andere argumentieren, es habe sich schlicht um ein verspieltes Kinderlied ohne verborgene Bedeutung gehandelt. Da sich die Textfassungen stark unterscheiden, lässt sich ein einzelner Ursprung kaum nachweisen.
Die im Lied erwähnten Rosen müssen nicht auf Pestsymptome anspielen. In vielen Versionen stehen sie für Freude oder Liebe. Die „Tüchlein“ (im Original: posies) könnten vielmehr Teil des Spiels selbst gewesen sein als ein Pestmittel. Historiker halten mittlerweile die plausibelste Erklärung für die eines harmlosen Kinderreims – ohne düstere Untertöne.
Trotz beliebter Theorien gibt es keine belastbaren Belege, die Ringel, Ringel, Reihe mit der Pest verknüpfen. Die vagen Textzeilen haben zu vielen Deutungen geführt, doch die einfachste Erklärung bleibt die wahrscheinlichste: Bei dem Reim handelte es sich wohl einfach um eine unterhaltsame Beschäftigung für Kinder.






