Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken leicht – Fachkräftemangel als Hauptgrund
Christina SorgatzAnzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken leicht – Fachkräftemangel als Hauptgrund
Die Zahl der Pendler, die zur Arbeit über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinweg fahren, ist leicht zurückgegangen. Im Juni 2025 verließen rund 148.000 Einwohner des Bundeslandes ihren Wohnort, um in anderen Regionen zu arbeiten – etwa 600 weniger als im Vorjahr. Experten führen den Rückgang vor allem auf die wirtschaftliche Abkühlung und veränderte Arbeitsmärkte zurück.
In den vergangenen fünf Jahren sah sich Sachsen-Anhalt mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, die die Pendlerzahlen beeinflussten. Der anhaltende Abwanderungstrend junger Fachkräfte – jährlich verlassen etwa 20.000 das Land – hat die Erwerbsbevölkerung geschmälert. Eine alternde Bevölkerung und Fachkräftemangel verschärften die Situation zusätzlich. Wirtschaftliche Belastungen wie die pandemiebedingte Rezession, die Automatisierung in der Industrie und der Aufstieg des Online-Handels spielten ebenfalls eine Rolle. Besonders die Bauwirtschaft litt unter gestiegenen Zinsen und Materialkosten, was zu einem Rückgang der grenzüberschreitenden Pendlerbewegungen in diesen Branchen um 15 Prozent führte.
Den Großteil derer, die weiterhin aus Sachsen-Anhalt heraus pendeln, bilden qualifizierte Arbeitskräfte. Die wichtigsten Branchen sind das verarbeitende Gewerbe, der Einzelhandel, die Kfz-Instandhaltung, die Logistik sowie das Baugewerbe. Fast jeder fünfte Erwerbstätige im Land arbeitet mittlerweile in einem anderen Bundesland. Die beliebtesten Ziele bleiben Sachsen, Niedersachsen und Thüringen.
Auch die Zahl der Einpendler ist gesunken. Aktuell arbeiten etwa 75.700 Menschen aus anderen Bundesländern in Sachsen-Anhalt – etwas weniger als zuvor. Die meisten kommen aus Sachsen, gefolgt von Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg. Rund 5.400 Beschäftigte reisen sogar aus dem Ausland an, um im Land zu arbeiten.
Markus Behrens, Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, führte den Rückgang bei Ein- und Auspendlern auf die nachlassende Arbeitsmarktentwicklung in der gesamten Region zurück.
Die aktuellen Zahlen zeigen einen leichten, aber spürbaren Rückgang der grenzüberschreitenden Arbeitsmobilität. Rund 148.000 Einwohner Sachsen-Anhalts pendeln derzeit in andere Bundesländer, während 75.700 Arbeitskräfte aus anderen Regionen ins Land kommen. Wirtschaftliche und demografische Veränderungen prägen weiterhin die Beschäftigungsstrukturen, wobei Handwerk und Logistik zu den am stärksten betroffenen Branchen zählen.