Freizügige Plakate in Wuppertal entfachen hitzige Debatte über Körperbilder
Freizügige Plakate in Wuppertal entfachen hitzige Debatte über Körperbilder
Plakatkampagne in Wuppertal löst mit freizügigen Motiven Kontroverse aus
Eine neue Werbekampagne in Wuppertal sorgt für Aufsehen, weil sie auf Plakaten unverkleidete Frauenbrüste zeigt. Die Bilder sind Teil des Wuppertaler Medienprojekts "Busen – Perspektiven auf Brüste" und sollten bewusst natürlich und anonym wirken. Dennoch wurden viele Plakate seit ihrem Aufhängen abgerissen oder beschmiert.
Die Kampagne wirbt für eine medienpädagogische Filmreihe an Schulen, die Themen wie Körperbild, Geschlechterrollen und die nicht-sexualisierte Darstellung von Brüsten behandelt. Andreas von Hören, der Projektleiter, zeigte sich überrascht über die heftigen Reaktionen. Ähnliche Aktionen in Berlin (2022) und München (2023) seien überwiegend positiv oder neutral aufgenommen worden, nur aus konservativen Kreisen Niedersachsens habe es vereinzelte Kritik gegeben.
Der Deutsche Werberat prüfte die Motive und stufte sie nicht als unanständig ein. Von Hören betonte, die Abbildungen seien nicht sexualisiert, da sie Brüste ohne Köpfe oder erkennbare Merkmale zeigten. Die Empörung deute vielmehr auf eine wachsende konservative Haltung in Deutschland hin, geprägt von religiösen Einstellungen und gesellschaftlicher Scham.
Julian Rauen, ein 21-jähriger Student, der am Projekt mitwirkt, empfand die anonymen Hass-Mails als bedrückender als die beschädigten Plakate. Das Team hält daran fest, dass nackte Brüste nicht automatisch mit sexueller Verfügbarkeit gleichzusetzen seien. Die aktuelle Debatte wirke übertrieben prüde und rückständig.
In den vergangenen fünf Jahren gab es in deutschen Städten ähnliche Kampagnen – etwa die Berliner Anti-Belästigungsplakate 2022 oder die Münchner Brustkrebsaufklärung 2023 –, die kaum größere Kontroversen auslösten. Das Wuppertaler Medienprojekt sieht sich nun einer Welle von Vandalenakten gegenüber, was auf einen Wandel der öffentlichen Toleranz hindeutet.
Das Wuppertaler Medienprojekt verteidigt weiterhin seinen Ansatz und stellt die Bildungsarbeit über die Provokation. Die Filmreihe für Schulen, die offene Gespräche über den Körper fördern soll, wird wie geplant verteilt. Die Diskussion über öffentliche Bildsprache und Anstand bleibt derweil ungelöst.
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