Presserat setzt unklare Grenzen bei Schleichwerbung – wo endet Journalismus?
Presserat setzt unklare Grenzen bei Schleichwerbung – wo endet Journalismus?
Der Deutsche Presserat hat neue Richtlinien zu Schleichwerbung veröffentlicht, die für Zeitungen jedoch unklare Grenzen setzen. Während er einige Berichte als versteckte Werbung ahndete, billigte er andere unter dem Vorwand des öffentlichen Interesses. Die Entscheidungen unterstreichen die anhaltende Debatte darüber, wo Journalismus aufhört und Werbung beginnt.
Kürzlich rügte der Presserat eine Zeitung für ihre Berichterstattung über den „Big Rösti“-Burger von McDonald’s. Laut Beschluss fehlte dem Artikel jede erkennbare journalistische Begründung und überschritt damit die Grenze zur Schleichwerbung. Eine ähnliche Verwarnung erhielt eine weitere Publikation für einen Beitrag über die Eröffnung einer Starbucks-Filiale in einem großen Bahnhof – der Text wurde als werblich und nicht als redaktioneller Inhalt eingestuft.
Nach Ziffer 7 des Pressekodex muss redaktioneller Inhalt frei von privaten oder wirtschaftlichen Einflüssen bleiben. Der Presserat definiert Schleichwerbung als Berichterstattung, die ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Veranstaltung unangemessen bewirbt, ohne dass dies gerechtfertigt wäre. Doch seine Bewertungen basieren oft auf subjektiven Einschätzungen des 'öffentlichen Interesses', die erst nach der Veröffentlichung getroffen werden. Im Gegensatz dazu sah der Rat kein Problem in einem Bericht, der einen Blick hinter die Kulissen eines neuen Bordells in Wolfsburg bot. Er argumentierte, dass die Prostitutionsbranche ein legitimes öffentliches Interesse darstelle und die Berichterstattung damit gerechtfertigt sei. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die Organisation, die dieses 'öffentliche Interesse' gemäß Ziffer 12 des Pressekodex definiert, in offiziellen Unterlagen namentlich nicht genannt wird.
Die Haltung des Presserats erlaubt zwar einige verlegerfreundliche Inhalte, sofern sie deutlich als solche gekennzeichnet sind. Dennoch bleiben Bedenken wegen der inkonsistenten Urteile – insbesondere dann, wenn Berichte intransparente oder nicht offengelegte kommerzielle Interessen bedienen.
Die jüngsten Entscheidungen des Presserats hinterlassen bei Verlagen bewegliche Leitplanken im Umgang mit Schleichwerbung. Während einige werblich geprägte Artikel sanktioniert werden, entgehen andere der Prüfung dank weiter Auslegungen des öffentlichen Interesses. Das Fehlen klarer Kriterien zur Bewertung dieser Fälle zwingt Zeitungen dazu, sich in unsicheren Regelwerken zu bewegen, wenn sie über kommerzielle Themen berichten.
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